Fazit Betrieb


Schlussfazit Anna Thüler
Verwaltungs- und Vorstandmitglied AM Hof Köniz


Anna Thüler, Sie und Verwaltungspräsidentin Simone Gatti haben von Seite der Verwaltung bislang massgeblich mitgeholfen, den Betrieb der Genossenschaftssiedlung AM HOF Köniz anzustossen. Wie haben Sie ihre Arbeit aufgeteilt?

Simone Gatti war die Strategin und das Aushängeschild – vor allem in der Pionier- und Anfangsphase. Ich kümmerte mich um das operative Tagesgeschäft und war zudem fast täglich vor Ort. Damit übernehme ich automatisch die Funktion der direkten Ansprechspartnerin für die Fragen unserer Bewohnerinnen und Bewohner. Unser Gespann hat gut funktioniert.

Weil Sie beide gleich ticken oder weil Sie sich ergänzen?
Eher das zweite. Simone Gatti ist ein Projektmensch, der aufgleist und dann auch wieder loslässt. Sie ist, so denke ich, die liberalere von uns beiden. Und jene mit dem Blick auf die Metaebene. Ich wiederum habe weder Vogel- noch Froschperspektive, sondern bin irgendwo dazwischen. Ich war gerne während der Anfangsphase dabei, bringe meine Inputs im Vorstand ein, liebe aber auch das Tagesgeschäft und den regelmässigen Kontakt mit den Bewohnern.

Gab es auch Reibungsflächen?
Natürlich waren wir nicht immer der gleichen Meinung. Ich bin vor Ort und schaue auch aufs Detail. Simone Gatti denkt in grossen Zügen. Unsere unterschiedlichen Sichtweisen haben wir aber jeweils besprochen, die besseren Argumente gaben dann den Ausschlag für einen Entscheid. Ich finde, es hat gerade diese beiden unterschiedlichen Sichtweisen gebraucht, damit Prozesse in Gang kamen und gesamtheitliche Lösungen getroffen werden konnten.

Anders als bei der Verwaltung gewöhnlicher Mietshäuser muss bei der Verwaltung einer Genossenschaftssiedlung viel mehr auf die Bewohner eingegangen werden. Andererseits müssen auch Dinge durchgesetzt werden. Wie gingen Sie damit um?

Es war manchmal ein Spagat: Einerseits hatte ich Verständnis für die Bewohner und ihre Anliegen und andererseits galt es, gesamthaft tragfähige, faire und transparente Lösungen zu finden.

Können Sie ein Beispiel geben?

Die Bewohner zweier Stockwerke befürworteten, die offenen Laubengänge, welche sich direkt vor den Wohnungen befinden, selber zu reinigen. Dies ganz nach dem Motto «Wir helfen hier mit», und vielleicht auch, um Kosten zu sparen. Andere wollten oder konnten das nicht. Das ist auch deren gutes Recht, aber man kann dann die Kosten den externen Unterhalt eines Ganges nicht einfach linear der ganzen Mieterschaft aufbürden, das wäre nicht fair. Deshalb blieb es bei der bisherigen Lösung: Alle Laubengänge werden einmal pro Quartal von der Hauswartung gereinigt. Was darüber hinausgeht, erledigen die Bewohner eigenverantwortlich selber.

Aber das hat sicher nicht allen gepasst?
Nein, aber zum Glück versteht der überwiegende Teil der Bewohnerinnen und Bewohnern auch mal einen Negativ-Bescheid, wenn er offen und transparent kommuniziert wird. Und auf eine gute Kommunikation legen wir hier am HOF Köniz grossen Wert.

In einer Genossenschaftssiedlung pflegt man in der Regel einen persönlichen Umgang. Spürten Sie eine Erwartungshaltung der Bewohner, dass Sie sich nicht nur als Vertreterin der Verwaltung, sondern auch ein bisschen als Privatperson einbringen sollten?

Ich denke, die Bewohner erwarteten das nicht explizit – und ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich überall dabei sein muss. In den Arbeitsgruppen mische ich mich beispielsweise nicht ein. Es kommt aber vor, dass die Bewohner grillieren und mich dann ganz spontan einladen, mitzumachen, meine Wurst liege schon auf den Grill und warte auf mich. Solche Gesten berühren mich sehr. Ich habe mich deshalb auch gerne revanchiert und bereits zum zweiten Mal am 2. August vier Braten für alle teilnehmenden Mieter spendiert. Ich glaube, das wird jetzt schon bald zur Tradition (lacht).

Besteht nicht die Gefahr, dass Sie sich aufgrund der Nähe zu stark einbringen und mit den Bewohnern identifizieren?
Nein, ich denke ich kann mich als Privatperson genug abgrenzen und nach wie vor meinen Verwalteraufgaben gerecht werden. Aber es ist schon so, dass hier AM HOF Köniz ein Gemeinschaftsgefühl gewachsen ist und auch ich mal mehr von mir gebe. Für die Nöte der Bewohner bin ich halt auch mal am Sonntag erreichbar und organisiere eine Lösung, wenn sie zum Beispiel kein warmes Wasser mehr haben.

Was zeichnet die Bewohnerinnen und Bewohner besonders aus?
Zum Beispiel ihr unglaubliches Engagement, miteinander das Leben AM HOF Köniz zu gestalten. Oder ihre Spontanität. So meldeten sich sofort genügend Freiwillige, um bei der von uns organisierten Kunstausstellung im Punktbau die Aufsicht zu übernehmen. Auch für die Eröffnungspräsentation des im Haus eingemieteten Modegeschäfts fanden sich schnell weibliche Models. Ein Bewohner motivierte auch noch seine Enkelin, mitzumachen. So entstand am Ende eine tolle Dreigenerationen-Modeschau.

Welche Herausforderungen warten 2014 am Hof Köniz auf Sie?

Die architektonischen und technischen Mängel, mit welchen wir zu kämpfen hatten und die bei den Bewohnersitzungen immer viel Diskussionszeit beanspruchten, sind nun mehrheitlich behoben. Deshalb reicht es, wenn wir die Sitzungen statt jeden Monat nur noch zweimonatlich durchzuführen. Aus meiner Sicht ist nun das Wichtigste, weiterhin einen guten Kontakt mit und unter den Bewohnern zu pflegen und für Kontinuität zu sorgen.



Interview: Jolanda Lucchini / 2014